KGV Am Schützenhof e.V.
Bericht des Gartenfachberaters

24.11.2025


Liebe Gartenfreunde, 


Thema meines Berichts soll der nachhaltige Gartenbau sein. Sicherlich sind wir uns alle einig, dass Gärtnern schöpferische Anreize für jede Altersstufe schafft. Sich im Freien mit Pflanzen zu beschäftigen und den Speisezettel mit Gemüse und Obst aus eigenem

Anbau zu bereichern bietet sowohl Familien wie Nachbarschaften Möglichkeiten, auf angenehme Weise Natur zu erleben. Darüber hinaus leisten wir damit auch wichtige Beiträge zur Gestaltung unserer Zukunft. Fachzeitschriften weisen immer wieder darauf hin, welche positive Auswirkungen unsere Bemühungen besonders auf Klimabedingungen großer städtischer Wohngebiete haben. Ich werde mich aber auch zu Gefahren äußern, die besonders den nach uns lebenden Menschen fürs Erreichen einer lebenswerten Zukunft drohen.


Im September ist auf einer Veranstaltung der Gartenakademie in Pillnitz an den Beginn der sächsischen Fachberaterausbildung vor 30

Jahren erinnert worden. Ihre wichtigsten Säulen sind ökologischer Gartenbau, Obstbaumschnitt und Pflanzenschutz, letzterer als Verbindung von mechanischen, biotechnischen und biologischen Maßnahmen, die chemische Mittel weitgehend unnötig machen - wir Kleingärtner müssen ja keine Ertragsanbauer sein, sondern sollen mit unserm Gartenboden verantwortungsvoll umgehen. Planmäßige Kompostwirtschaft, Mischkulturen,

Fruchtfolgen und zeitlich abgestufte Düngungen dienen dem Erhalt und der Steigerung natürlicher Bodenfruchtbarkeit und dem Schutz von Pflanzen, die für unsere heimische Fauna wichtig sind. Tief wurzelnde Gründüngungspflanzen sorgen dafür, dass der Boden Wasser und Nährstoffe besser festhalten und Stickstoff aus der Luft aufnehmen kann, wodurch Boden- und Gewässerbelastungen vermieden werden. Kluge

Bewässerungsstrategien können dem in Zukunft sinkenden Wasserangebot entgegenwirken - z.B. durch zusätzliche Sammelbehälter. In einem Aushang habe ich schon mal auf Tongefäße hingewiesen, die im Mittelmeerraum üblich sind und im Boden vergraben werden: diese so genannten Ollas sorgen dafür, dass Regenwasser langsam und nach Bedarf an die Pflanzen abgegeben wird, wenn der Boden trockener wird. Und ganz wichtig ist es, Bodenversiegelungen zu vermeiden bzw. zu beseitigen!


Wir wissen auch, dass unsere Ernährung nur gesichert ist, wenn genug Insekten zur Bestäubung von Blüte zu Blüte fliegen. Die meisten von
ihnen sind Wildbienen, deren Lebensgrundlagen aber u.a. durch die Großraumlandwirtschaft gefährdet sind. Sicher kennt Ihr Dr. Eckart von Hirschhausen, der nicht nur Arzt ist, sondern sich auch mit dem Erhalt der biologischen Artenvielfalt beschäftigt. Seine Antwort auf die Frage, was ein Glas Honig kosten würde, wenn die Biene Mindestlohn bekäme: „Multipliziert man die Arbeitsstunden, die Anzahl der Arbeiterbienen und den
Mindestlohn, kommt man auf 300.000 € / 500 gr! Die echten Leistungsträger der Erde sind nicht die Menschen, sondern die Natur. Aber sie erhebt dafür keinen Mindestlohn. Sie ist keine Gefälligkeitsleistung, die man einfach nimmt, sondern wichtigste Lebensgrundlage!“

Deshalb sollten unsere Gärten auch geeignete Orte zum Rückzug für Blütenbestäuber und andere Nützlinge enthalten, z.B. durch das Stehenlassen markhaltiger Stängel. Die Gruppe BienenBrückenBauen des Umweltzentrums Dresden gibt Auskunft zu vielen praktischen Einzelheiten. Der Bienenexperte Gerhard Drossel hat zum Thema Wildbienen ein Online-Seminar durchgeführt, von dem ich per Mail einen Text mit vielen Bildern versenden kann.


Nun die wichtigen Dinge aus der weiten Welt: Unser aller Zukunft ist vom Verlust an biologischer Vielfalt, von extremen Wetterereignissen und vom Anstieg des CO2-Gehalts der Atmosphäre auf Grund technischer Emissionen und Regenwaldabholzungen gefährdet. Dieser CO2-Gehalt lässt die mittlere Erdtemperatur immer mehr ansteigen. Dazu die wichtigsten Erkenntnisse langjähriger Forschungen:


- In der Urzeit unseres Globus war es extrem heiß und es gab überall riesige Mengen an Kohlendioxid (CO2).
- Später hat die von der Sonne gesteuerte Fotosynthese aus dem CO2 den Sauerstoff freigesetzt und den Kohlenstoff als gespeicherte Energie in Pflanzen eingelagert. Diese Pflanzen haben über Jahrmillionen Wälder gebildet oder sind als Bodenschätze im Erdreich versunken. Damit waren auch sinkende Außentemperaturen verbunden, was die Entwicklung von biologisch höheren Lebewesen möglich gemacht hat.
- Seit der Industrialisierung um 1850 werden durch Nutzung von Bodenschätzen, die viel schneller erfolgt als ihr einstiges Entstehen, immer größere Mengen an CO2 wieder in die Atmosphäre abgegeben, mit Folgen, die ich schon genannt habe. 

Wir als Naturfreunde müssen verstehen lernen, dass besonders die Abholzung der Regenwälder gestoppt werden muss, 

- weil ihre Vernichtung ungeahnte Mengen an CO2 in die Atmosphäre entlassen und dadurch die Erde zusätzlich aufheizen würde und
- weil sie den Wasserhaushalt des Äquatorialbereichs und darüber hinaus auch das Weltklima umfassend stabilisieren.


In Brasilien findet gerade die 30. Weltklimakonferenz statt. Vielleicht gelingt es, Regenwälder unter internationalen Schutz zu stellen. Aber der neue TV- Film "Verschollen" zeigt eindringlich, wie international maßgebende Wirtschaftskreise den Glauben verbreiten, dass auf einer abgeholzten Regenwaldfläche innerhalb kurzer Zeiträume neue Nutzpflanzenplantagen die gleiche Menge an CO2 einbinden können wie die dort bisher im Laufe von Jahrtausenden immer wieder natürlich nachgewachsenen Waldbestände. Als Beispiel zu neuen Gedanken und Wegen für die Zukunft nenne ich die so genannten Schwammstädte. Dazu ist beim Pillnitzer Gartentag ein Versuchsgelände gezeigt worden. In Erdspeichern mit ganz speziellen Bodenzusammensetzungen können ganz gezielt Wasservorräte eingeleitet werden, um sie beim klimatischen Bedarf zum Bewässern oder zum Verdunsten einzusetzen.


Für uns Kleingärtner muss an erster Stelle der Auftrag stehen, Gartenbau aus innerer Überzeugung und mit allen Sinnen zu betreiben.

Prof. Burkert Pieske, Internist und Kardiologe aus Rostock, hat dazu in der Fachzeitschrift „Der Gartenfachberater“ Ausgabe 3/Aug.2025 geschrieben: "Der Zugang zu Grünflächen vermittelt den Menschen ein Gefühl der Freiheit und die Möglichkeit, körperlich aktiv zu sein - und dies in einem entspannenden und beruhigenden Umfeld"


Dafür möchte ich uns allen auch in Zukunft Begeisterung, Freude und Erfolg wünschen.


Mit kleingärtnerischem Gruß


Christian Stichel

Gartenfachberater